Bei schönstem Wetter durfte ich letztes Wochenende meinen Fotoworkshop Wildlife Niederhorn mit einer tollen Gruppe durchführen. Dabei konnten wir wunderschöne Begegnungen mit der Tierwelt der Berge erleben. Vor kurzem hat Fujifilm ein Teleobjektiv zur GFX Serie herausgebracht. Das GF 500mm 5.6 macht es möglich auch mit der Mittelformatkamera mit einer grösseren Brennweite zu fotografieren. Also sind damit nun theoretisch auch ohne weiteres Wildtierbilder möglich. Dies wollte ich nun genau wissen und ich habe mir für das Wochenende das Objektiv und eine GFX 100 II organisiert. Vielen herzlichen Dank an Graphic Art, dass ihr das möglich gemacht habt.
Ich fotografiere sonst Wildtierbilder mit einer Fujifilm APS-C X-H2s und den Objektiven XF 200mm F2, XF 150-600 mm 5.6-8 und XF 50-140 mm 2.8. Mit dieser Kombi konnte ich schon viele tolle Aufnahmen machen.
Aber nun ab zur Praxis mit der Mittelformatkamera.
Viele von euch werden nun denken, dass die Kombination dieses Objektivs und der GFX Kamera doch sehr schwer sein muss. Mit einem Gesamtgewicht von ca. 2.4 kg (Kamera 1083g & Objektiv 1375 g) ist diese Kombi aus meiner sich ganz angenehm. Bei meiner APS-C Kombi komme ich gesamthaft auf ein Gewicht von 2.25 kg (X-H2s 668g & XF 150-600mm 1605g). Die Dimensionen sind doch aber ein wenig grösser.
Dich wird aber wohl eher interessieren, wie es nun ist mit der Mittelformatkamera Bilder zu machen. Für die Landschaftsfotografie nutze ich die GFX 100s & die GFX 50s. Diese Kameras bieten mir auch nach einigen Jahren alles, was es für tolle Landschaftsbilder braucht. Diese sind aber relativ langsam mit dem Fokus und ich bin sicher, dass es damit keinen Spass gemacht hätte Wildtiere zu fotografieren. Darum habe ich mir die GFX 100 II organisiert. Diese ist mit ihrem schnelleren Autofokus besser geeignet. Fotografiert habe ich damit mit der Einstellung AF-C und Tieraugenfokus. Beim Steinwild hat dies ohne Probleme funktioniert. Der Fokus war sehr zuverlässig und ich hatte fast keinen fokusbedingten Ausschuss. Sobald die Tiere aber schneller und kleiner werden, merkt man, dass der Fokus nicht mehr ganz auf der Höhe ist. 100MP sind wirklich viel Auflösung. Die Details im Bild sind unglaublich! Hier gibt es dann fantastisch viele Details zu sehen. Ich sag es mal so…. So viele Details habe ich in einem Wildtierbild noch nie gesehen. Ich kann sogar meine Spiegelung im Auge sehen.
Also, wer gerne ganze Wände mit seinen Wildtieren tapezieren möchte, ist hier sicher absolut richtig. Persönlich bin ich aber der Meinung, dass auch weniger Auflösung völlig für Wildtierbilder ausreicht. Ich könnte mich nicht erinnern, jemals ein Bild eines Tieres grösser als 100 cm auf der langen Kante gedruckt zu haben. Klar, manchmal wäre ich bei Fujifilm froh ein wenig mehr als 26 Megapixel bei meiner APS-C Kamera zu haben.
Ein grosser und hochaufgelöster Sensor hat neben der tollen Bildqualität aber auch Nachteile. Die grosse Datenmenge macht das Auslesen der Zeilen mit dem Elektronischenverschluss langsam. Es entsteht der Rollingshutter-Effekt. Dies ist bei dieser Kamera bei schnellen Motiven gut erkennbar. Ich habe dann auf den Mechanischenverschluss gewechselt. Auch ist die Seriebildgeschwindigkeit von nur max. 8 Bilder pro Sekunde für schnellere Tiere wie Vögel in Bewegung einfach zu wenig.
Am Ende des Tages komme ich dann mit vielen Bildern Zuhause auf den Computer. Mein System ist schnell. Es ist auf die Bearbeitung von solchen Bildern ausgelegt und bekommt daher keine Probleme. Wenn dein Computer aber älter oder nicht so leistungsstark ist, dann wirst du in Lightroom einen Moment warten, bis die Datei dargestellt wird. Auch nicht zu unterschätzen ist die Datenmenge der einzelnen RAF (RAW) Datei. Diese ist nämlich deutlich grösser als 200 MB pro Bild und füllt die Festplatte bei Wildtieraufnahmen sehr schnell.
Beim Thema Bildrauschen war ich von der GFX 100II doch sehr überrascht. Auch bei höheren ISO-Werten hat die Kamera relativ wenig Bildrauschen. Dieses Bildrauschen lässt sich aber ohne weiteres in Lightroom entfernen.
Als Objektiv habe ich das GF 500mm F5.6 von Fujifilm genutzt. Umgerechnet auf Vollformat, ergeben die 500mm eine Brennweite von 396mm. Diese Brennweite ist ganz in Ordnung. Auf dem Niederhorn hatte ich mehr das Problem, dass ich fast zu Nahe auf den Tieren war und immer im Retourmodus war. Das wäre aber sicherlich kein Problem, denn es gibt ja für die GFX auch noch kürzere Brennweiten, die sich dafür eignen würden. Das Objektiv ist wirklich leicht und kompakt. Ich bin mir nicht sicher ob es von der Konstruktion nicht sogar das gleiche ist wie das XF 500mm 5.6, welche ich auch schon in Norwegen getestet habe. Mit der Blende 5.6 auf der Mittelformatkamera, lassen sich die Motive wirklich sehr schön freistellen. Ihr müsst euch vorstellen, dass die Freistellung mit Blende 5.6 etwa gleich ist wie bei einer Vollformatkamera um Blende 4. Das Objektiv ist sehr gut. Die Schärfe ist hervorragend und löst die 100 MP der Kamera auch auf.
Was sind die Vorteile und Nachteile bei der Wildtierfotografie mit Mittelformat?
Positiv:
- Sehr hohe Bildauflösung
- Hoher Dynamikumfang
- Beste Bildqualität
- Hervorragende Objektivqualität
Negativ:
- Hoher Bedarf an Speicherplatz
- Rollingshutter Effekt
- Eher träger Autofokus
- Langsame Seriebildfunktion
Mein Fazit:
Es war eine tolle Erfahrung Wildtiere mit dieser hohen Auflösung fotografieren zu können. Für mich Persönlich müsste aber der Autofokus und die Seribildfunktion schneller werden. Auch müsste der Rollingshutter-Effekt verschwinden, damit man mit dem Elektronischenverschluss fotografieren könnte. Das ist aber eine Frage der Zeit. Die Prozessoren der Kameras werden immer schneller und können immer mehr Datenmenge verarbeiten. In ein paar wenigen Jahren wird dies also auch bei einer 100 MP Mittelformatkamera möglich sein. Vielleicht werde ich mich dann dafür entscheiden komplett auch Mittelformat umzustellen, denn die Qualität der Bilder ist einfach super.
In der Zwischenzeit hoffe ich, dass Fujifilm bald Mal eine neue X-H3s auf den Markt bringt wo die Geschwindigkeit und die Zuverlässigkeit der X-H2s mit einem 40-50 Megapixelsensor vereint. Dies würde meinen Ansprüchen bei der Wildtierfotografie genügen.














