Vor ziemlich genau zehn Jahren habe ich den Wechsel von meiner Nikon-Spiegelreflexkamera zu Fujifilm vollzogen. Ich könnte jetzt ausführlich berichten, welche Kameras und Objektive ich in dieser Zeit genutzt habe und wie gut sie alle waren – doch das ist nicht mein Ziel. Stattdessen möchte ich einen Blick zurückwerfen und die Vergangenheit mit der Gegenwart vergleichen.
Konkret vergleiche ich meine ehemalige Nikon D810 mit meiner Fujifilm X-E5, die ich vor kurzen neben meinen GFX Kameras, der X-H2s und der X-T5 für die pure Freude und Ferienfotografie gekauft habe. Wer beide Modelle kennt, wird vermutlich einwenden, dass sie kaum vergleichbar sind: Die Nikon D810 wurde als professionelle Spiegelreflexkamera mit hoher Auflösung und einem Einführungspreis von CHF 3.900 angeboten, während die Fujifilm X-E5 eine sehr kompakte Systemkamera mit Wechselobjektiven für Hobbyfotografen ist und rund CHF 1.300 kostet.
Mir geht es jedoch nicht darum, Nikon und Fujifilm grundsätzlich miteinander zu vergleichen. Vielmehr möchte ich zeigen, wie sich Kameras im Laufe der Zeit verändert haben und was für tolle Modelle heute bereits für ein kleines Budget erhältlich sind.


Ich beginne direkt mit einer steilen These:
„Die Nikon D810 von 2015 ist mit einer Ausnahme der Fujifilm X-E5 von 2025 in keinem Bereich überlegen.“
Für mich persönlich war die Nikon D810 die beste Spiegelreflexkamera, die ich je genutzt habe: zuverlässig, robust und mit herausragender Bildqualität. Auch heute könnte ich mit ihr noch exzellente Fotos machen.
Für die Landschaftsfotografie habe ich sie inzwischen durch die Mittelformatkameras der Fujifilm-GFX-Serie ersetzt. Dennoch übertrifft meine kompakte Digitalkamera heute in vielen Punkten die Eigenschaften der D810.
Mein Vergleich bezieht sich ausschliesslich auf die Landschafts- und Naturfotografie.
Gewicht und Grösse:
Hier ist der Unterschied eklatant: Die Nikon D810 wiegt 920 g und misst 146 × 123 × 82 mm, während die Fujifilm X-E5 mit 445 g und 125 × 73 × 40 mm weniger als halb so schwer und deutlich kompakter ist. Das ist gerade im Fotorucksack ein enormer Vorteil. Klarer Punktgewinn für die X-E5.
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Qualität und Robustheit des Gehäuses:
Die Nikon D810 ist nahezu unverwüstlich! Ich erinnere mich noch gut daran, wie sie mir am Aussichtspunkt oberhalb der Golden Gate Bridge in San Francisco auf den Boden gefallen ist – einfach aufheben, abwischen und weiterfotografieren. Das Gehäuse hat alles mitgemacht. Würde mir die X-E5 in derselben Situation herunterfallen, wäre sie vermutlich defekt. Zudem ist die D810 hervorragend gegen Witterungseinflüsse geschützt und ermöglichte Fotografieren bei Wind und Regen ohne Probleme.
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Spiegelreflex- oder Systemkamera:
Seien wir ehrlich: Einen Spiegel braucht heute niemand mehr in der Kamera. Was früher ein Vorteil für die Bildgestaltung war, ist 2025 nur noch Ballast. Moderne Displays und Sucher bieten hohe Auflösung, simulieren Belichtung und Farbstil und zeigen wichtige Informationen wie das Histogramm live an. Ausserdem lassen sich die Displays ausklappen, was bodennahe Aufnahmen erleichtert. Ganz klarer Sieg für die Systemkamera!
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Der Fokus:
Damals war es beeindruckend, mit dem großen Teleobjektiv an der Nikon Seeadler in Florida zu fotografieren – allerdings waren viele Bilder unscharf, weil der Fokus zu langsam war. Die Nikon D810 nutzte ein separates Autofokussystem im Spiegelkasten, was zu Problemen wie Front- oder Backfokus führen konnte. Moderne Systemkameras wie die X-E5 fokussieren direkt über den Bildsensor, wodurch diese Fehlerquellen entfallen. Dank schneller Prozessoren können sie Motive wie Menschen, Tiere oder Fahrzeuge präzise verfolgen. Für Landschaftsfotografen ist zudem die einblendbare Fokusskala praktisch, um die hyperfokale Distanz schnell einzustellen.
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Auswahl an Objektiven:
Beide Systeme bieten eine grosse Auswahl an Objektiven, wobei Nikon hier traditionell im Vorteil ist. Allerdings ist das F-Bajonett von Nikon technisch überholt und schränkt insbesondere bei Weitwinkelobjektiven die Qualität und Baugröße ein. Das moderne X-Bajonett von Fujifilm bietet viele kompakte und leichte Objektive mit automatischer Profilkorrektur, die Schwächen direkt ausgleicht. Für mich ist daher auch in dieser Kategorie Fujifilm vorne.
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Bildqualität:
Hier treten ein 36-Megapixel-Vollformatsensor gegen einen 40-Megapixel-APS-C-Sensor an. Beide liefern im niedrigen ISO-Bereich hervorragende Ergebnisse und ermöglichen fantastische Landschaftsaufnahmen. Die D810 war einst für ihren Dynamikumfang legendär. Doch die Sensoren sind in den letzten zehn Jahren deutlich besser geworden: Die X-E5 bietet selbst bei ISO 1600 noch sehr gute Bildqualität, während die D810 hier bereits stark rauscht. Da ich die D810 sehr schätze, vergebe ich in dieser Kategorie einen Punkt an beide Kameras.
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Stromversorgung – Akku:
Auf den ersten Blick ist die Nikon D810 klar im Vorteil: Im Spiegelreflexbetrieb hielt der Akku extrem lange. Im Live-View-Modus war er jedoch schnell leer. Die X-E5 hat zwar einen kleineren Akku, aber Ersatzakkus sind günstig und leicht. Zudem kann die Fujifilm über Power Delivery auch unterwegs per Powerbank geladen werden – ein grosser Vorteil auf längeren Touren oder bei Timelapse-Aufnahmen. Die D810 benötigte dafür noch ein separates Ladegerät und konnte nicht im Betrieb via USB geladen werden. Auch hier gewinnt die moderne Systemkamera.
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Geschwindigkeit
Bereits die einfache Fujifilm X-E5 macht mit dem Elektronischen-Verschluss 13 Bilder pro Sekunde und mit dem Mechanischen immerhin noch deren 8 pro Sekunde. Die Nikon D810 ist hier schlicht chancenlos! Mit nur 5 Bilder pro Sekunde ist diese deutlich langsamer. Die Seriebildgeschwindigkeit von Systemkameras im Spitzensegment ist noch Mal um einiges höher.
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Bedienelemente:
Früher ließen sich nur wenige Tasten individuell belegen. Bei der Nikon D810 waren es glaube ich nur ein oder zwei Tasten. Bei modernen Kameras wie der X-E5 können zahlreiche Funktionen auf verschiedene Tasten gelegt werden. Wer viel fotografiert und keine Zeit mit dem Suchen von Einstellungen verlieren möchte, wird das zu schätzen wissen. Die X-E5 ermöglicht sowohl einfaches als auch individuell angepasstes Arbeiten – ein weiterer Pluspunkt.
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Von den fortschrittlichen Videofunktionen mit 6k und den vielen Möglichkeiten habe ich noch nicht Mal gesprochen. Hier könnte das Resultat noch beliebig für die Systemkamera verbessert werden.
Lange Rede kurzer Sinn…
Heute gibt es von verschiedenen Marken tolle kleine Systemkameras. Mit diesen Kameras lassen sich Fotografien und auch Videos in höchster Qualität aufnehmen. Es müssen keine grossen und schweren Kameras für viel Geld gekauft werden. Eine tolle Qualität der Bilder wird schon bei diesen kompakten Kameras garantiert.
«Eine Kamera muss heute nicht mehr gross und schwer sein, damit diese gute Bilder macht! Vor allem für Einsteiger in die Fotografie nicht!
Während dem Fotoworkshop herbstlicher Jura habe ich mich dazu entschieden alle grösseren Kameras Zuhause oder im Rucksack zu lassen. Ich habe mich dafür entschieden während dem ganzen Fotoworkshop nur mit der kleinen Fujifilm X-E5 zu fotografieren. Toll war natürlich, dass ich alle X-Objektive, die ich für die X-H2s und X-T5 nutze auch gleich auf der X-E5 nutzen kann. Die kompakte Kamera macht im Fotorucksack schon sehr viel Spass! Das Gewicht und die Grösse ist so gering! Beim Workshop war gutes Wetter und somit wär auch der fehlende «Spritzwasserschutz» der X-E5 absolut kein Problem. Und wenn es leicht geregnet hätte, dann hätte ich einfach einen Schutzbeitel mitgenommen.
Aber am besten schaut ihr euch die Bilder selber Mal an.







(Alle diese Bilder wurden mit der Fujifilm X-E5 aufgenommen)
Die Qualität der Aufnahmen hat mich jedenfalls absolut überzeugt. Klar, als Arbeitsgerät möchte ich die Kleine nicht immer nutzen. Dafür ist mir das Gehäuse dann fast zu klein. Aber ich kann mir durchaus vorstellen die Kamera in Zukunft für Bergtouren mit kleinem Gepäck, als Ferienkamera oder auch als Timelapse-Kamera zu nutzen. Einfach eine wunderschöne kleine Kamera.
Es macht sehr viel Spass mit so kleinen feinen Kameras unterwegs Bilder aufzunehmen. Die beste Kamera ist immer noch die Kamera, welche dabei ist.

P.S solche kleinen Kameras gibt es auch von anderen Marken.

